Die Wende nach der Ära der Ablassbriefe kam mit Luther und der Reformation. Der Handel mit den Ablassbriefen hatte dank Luther ein Ende, denn er erkannte den Irrsinn und die Entwicklung der Kirche in die entgegengesetzte Richtung. Die Folge war, dass entgegen Luthers Willen die Kirche gespalten wurde und die evangelische und katholische Kirche entstanden.

Die Bürger wachrütteln

Da die Bürger sich mit den Ängsten vor dem Fegefeuer so paralysiert hatten, dass sie kaum in der Lage waren, distanziert über den Ablasshandel nachzudenken, musste ein kluger Kopf dem endlich ein Ende setzen. Eigentlich hatte Luther nicht vor, die Kirche zu spalten. Sein Ziel war die Reformation und ein Umdenken der Geistlichen. Jedoch war das Ergebnis seiner Reformation ein ganz anderes. Denn durch die Spaltung der Kirche und der damit einhergehenden Trennung der Christen kam es zu äußerst blutigen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten. Dies führte zu unzähligen Kriegen und Blutvergießen.

Der Papst erkennt die Trennung an

Im sogenannten Konzil von Trient erkennt Papst Paul III. im Jahre 1545 die Spaltung der Kirche an. Auch er erkannte, dass kein Weg daran vorbeiführte. Dennoch ging es vor allem dem Papst darum, das Bild der katholischen Kirche noch stärker zu zeichnen und sich von den Protestanten zu distanzieren. Während ein Dialog mehr oder weniger ausblieb, da an dem Konzil keine Protestanten teilnahmen, wurden nichtsdestotrotz auch Umstrukturierungen in der katholischen Kirche vorgenommen. Diese waren vor allen Dingen auch Luthers Ausgangspunkt, nämlich der Handel mit den Ablassbriefen. Dieser fand mit der Reformation sein Ende.

Eine Entwicklung, die Zeit brauchte

Papst Paul III. rief das Konzil zwar ein, jedoch zogen sich die Verhandlungen um die Inhalte der Niederschrift in die Länge, sodass es drei Nachfolger von Papst Paul III. brauchte, bis man sich auf die Endfassung einigen und die Ergebnisse in der Bulle „Benedictus Dei“ zusammenfasste. Noch heute entwickeln die beiden Kirchen Wege, um zueinander zu finden und sich gegenseitig zu akzeptieren. Doch auch nach 500 Jahren geschieht dies gemächlich.

Beispielsweise dürfen an der Eucharistiefeier in einer katholischen Kirche nur Katholiken teilnehmen. Bei den evangelischen Christen ist das anders. Das Abendmahl darf hier auch ein Katholik zu sich nehmen. Ein weiterer Unterschied ist das Zölibat, das in der katholischen Kirche eingehalten werden muss. In der evangelischen Kirche ist dies keine Verpflichtung der Pfarrer. Dieser oder diese darf heiraten und eine Familie gründen. Inwiefern nach knapp 500 Jahren ein stärkerer Zusammenhalt zwischen den gespalteten Kirchen bestehen wird, ist noch offenen. Dennoch sind Kommunikation, Erfahrungen und vor allem der Austausch der Kirchen besonders in der heutigen Zeit sehr wichtig.