Angst und Schrecken und ein dunkles Kapitel, das niemand so gerne öffnet, findet sich im Mittelalter wieder. Warum diese Zeit gerade für die Kirche ein mehr oder weniger problematischer Abschnitt ist, das wird in diesem Artikel deutlich. Denn im Mittelalter verhielt sich die Kirche als Oberhaupt und Entscheider über Gut und Böse im Gegensatz zu heute noch ganz anders. Von Säkularisierung war damals natürlich noch keine Spur und das machte sich die Kirche zu Nutze. Denn aus Gottesfurcht und mit der Verbreitung dieser konnten die Menschen in unterschiedliche Richtungen gesteuert werden. Der Umgang mit den Menschen in der damaligen Zeit ist mit einer gewissen Distanz zu genießen, denn es ist unverkennbar, dass man hier wenig von Nächstenliebe und Bescheidenheit gezeigt bekommt.

Ablassbriefe und Sündenfreiheit nur ein Privileg für die Reichen

Da man sich nicht einfach seiner Sünden entledigen konnte, gab es in der damaligen Zeit sogenannte Ablassbriefe. Dank dieser eigens für den Erlass der Sünden entworfenen Briefe konnten die Menschen sich von ihren Sünden freikaufen. Der Ablassbrief, auch Indulgenzbrief genannt, trug dazu bei, dass sich die Person mithilfe der beigefügten Gebete von den Sünden freikaufen konnte. Hierbei war vor allem die Angst der Antrieb der Menschen. Denn niemand wollte ins Fegefeuer kommen. Das Spiel mit der Angst machte die Kirche reich und so war sie imstande, den Bau neuer Kirchen zu finanzieren und sich ebenfalls mit dem Verkauf der Ablassbriefe selbst zu bereichern.

Wenn es keine Grenzen gibt

Wenn es keine Grenzen gibt zwischen Kirche und Staat, dann läuft man schnell Gefahr, die völlige Kontrolle an die Kirche abzugeben. Dies war in keiner Weise förderlich für einen Fortschritt in der Forschung und Bildung. Die Forschung wurde dementsprechend nur geduldet, wenn man sich von dieser nicht bedroht fühlte. Das war im Umkehrschluss für die Erlangung neuer Erkenntnisse jedoch ein enormer Dämpfer. Im Großen und Ganzen galt die Kirche in Forschung wie auch Bildung als höchste Instanz.

Positive Nebeneffekte?

Es stellt sich natürlich die Frage, ob dieses dunkle Kapitel der Kirche tatsächlich auch positive Seiten hatte. Denn weder bei der Menschlichkeit noch bei moralischen Fragen konnte die Kirche tatsächlich als Vorbild fungieren. Was hier als fromm wahrgenommen wird, ist schlichtweg die Möglichkeit für die Reichen, unaufhörlich zu sündigen, denn sie konnten es sich problemlos leisten, Böses zu tun und sich daraufhin frei zu kaufen. Anders war es bei den Ärmeren, die es sich nicht leisten konnten, Sünden zu begehen. Das hat wahrscheinlich dazu geführt, dass vor allem bei den Ärmeren durch Angst und Schrecken vor dem Fegefeuer verstärkt darauf geachtet wurde, nicht zu sündigen. Da das Geld knapp war und die Ablassbriefe teuer, war dies durchaus denkbar. Jedoch war dies am Ende nicht der richtige Weg, den Menschen Frömmigkeit und Nächstenliebe nahezulegen.